Geschichte 4

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Die unabhängigen Philippinen

Am 4.Juli 1946 wurden die Philippinen als erste Kolonie Asiens in die Unabhängigkeit entlassen. Mit der offiziellen Übertragung ihrer Souveränitätsrechte an die Republik der Philippinen unter Präsident Manuel A. Roxas (1946-48) gewährten die Amerikaner dem philippinischen Volk zwar formell die politische Selbstbestimmung, jedoch blieb das Land auch weiterhin durch eine Reihe von politischen und wirtschaftlichen Verträgen eng an die USA gebunden. Das Abkommen vom 14, März 1947 sicherte den Vereinigten Staaten das Recht zu, für die Dauer von 99 Jahren auf philippinischem Hoheitsgebiet Militärstützpunkte zu errichten (diese Zeitspanne wurde allerdings 1959 auf 15 Jahre reduziert). Der Bell Trade Act 1946 (1954 ergänzt durch das erst am 3. Juli 1974 ausgelaufene "Laurel-Langley Abkommen") überließ den Amerikanern die absolute Kontrolle über die Währungspolitik und den gesamten Handelsverkehr (während der philippinische Export nach den USA Beschränkungen unterworfen war, konnten die Philippinen keine protektionistischen Maßnahmen gegen amerikanische Importe ergreifen). Nach der in den Wirtschaftsabkommen verankerten Paritätsklausel hatten amerikanische Bürger bei der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen der Philippinen (Landwirtschafts- und Waldgebiete sowie Bodenschätze u. a) die gleichen Rechte wie Filipinos, (diese Bestimmung machte übrigens 1946 eine Änderung der philippinischen Verfassung nötig und erregte in der Folgezeit die meiste Unzufriedenheit im philippinischen Volk).

Die Amtszeit des liberalen Präsidenten Elpidio Quirino (1948-53) war charakterisiert durch eine verschärfte politisch-wirtschaftliche Krise und vor allem durch eine wachsende Guerillatätigkeit der "HUK" .Diese kommunistisch geführte Untergrundarmee, die sich überwiegend aus unzufriedenen landlosen Bauern rekrutierte, hatte im Zweiten Weltkrieg gegen die japanischen Besatzer gekämpft, weigerte sich nach Kriegsende, die Waffen niederzulegen, und richtete ihren Partisanenkampf nun gegen die Regierung. Ihr erklärtes Ziel: die Abschaffung der durch äußerst ungleiche Bodenverteilung verursachten sozialen Ungerechtigkeit mittels einer radikalen Landreform (zur damaligen Zeit waren über 85% der in der Landwirtschaft Beschäftigten auf Zentralluzon, dem Hauptaktionsgebiet der "Huk", landlose Pächter!). Die ca. 20-30 000 Mann starke Guerillaarmee konnte sich auf eine breite Massenbasis (etwa 5 Millionen Anhänger) stützen und erwies sich als so erfolgreich, daß Anfang der 50er Jahre ein gewaltsamer Umsturz unmittelbar bevorzustehen schien. Dem damaligen Innenminister und späteren Präsidenten Ramon Magsaysay (1953-57) aber gelang es, die Guerilla durch massiven Einsatz von Regierungsstreitkräften militärisch zu besiegen und ihnen zudem durch soziale Reformen (teilweise Neuordnung der Agrarstruktur, drastische Beschränkung des Pachtzinses u. a.) die Basis in der Bauern- und Landarbeiterschaft zu entziehen. 1954 war die Hukbalahap weitgehend aufgerieben. Präsident Magsaysay verschaffte sich durch seine von breiten Schichten der Bevölkerung gestützte Politik des sozialen Ausgleichs eine ungeheure Popularität, sein Reformwerk aber scheiterte letztendlich am Widerstand der einflußreichen Großgrundbesitzer. Nach Magsaysays tödlichem Flugzeugabsturz auf Cebu im Jahre 1957 folgten ihm Carlos Garcia (1957-61), Diosdado Macapagal (1961-65) und schließlich Ferdinand Marcos (19651986) im Präsidentenamt. In den beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wechselten sich die beiden großen, nach amerikanischem Muster entstandenen Parteien - die Nacionalista Party und die Liberal Party - nach jeder Legislaturperiode in der Regierungsverantwortung ab. jedoch unterschieden sich ihre politischen Programme nur in Nuancen; beiden gemeinsam war die Loyalität gegenüber den USA und ihr Wille, die Privilegien der herrschenden Oberschicht zu wahren. Außenpolltisch verfochten alle philippinischen Nachkriegspräsidenten einen strikt antikommunistischen Kurs. 1954 erfolgte der Beitritt des Landes zum Südostasienpakt (SEATO), einer durch den "Vertrag von Manila" als Gegengewicht zum in Asien expandierenden Kommunismus gebildeten Organisation (die Mitgliedschaft hatte eine Teilnahme philippinischer Verbände am Vietnamkrieg zur Folge). Auf Präsident Macapagals Initiative schlossen sich 1963 die Philippinen, Indonesien und Malaysia zur (nur kurzlebigen) "Großmalaiischen Konföderation" (MAPHILINDO) zusammen.

Nach der Unabhängigkeit der Philippinen hatte es die kleine, aber mächtige Führungsschicht - die Oligarchie der großgrundbesitzenden, immens reichen Traditionsfamillen, deren Ursprünge in der feudalen Gesellschaftsstruktur der spanischen Kolonialzeit wurzeln - geschickt verstanden, alle entscheidenden Posten in Politik und Ökonomie zu besetzen. Nepotismus und Korruption traten im Staats- und Wirtschaftsleben offen zutage: So überstieg bei verschiedenen Präsidentschaftswahlen in manchen Wahlkreisen die Zahl der abgegebenen Stimmen die Bevölkerungsziffer bei weitem. Während der zweiten Amtszeit von Präsident Marcos (1969 wiedergewählt) trieb die philippinische Republik der totalen Anarchie entgegen: Politiker und reiche Familien unterhielten bewaffnete Leibgarden; Schießereien zwischen rivalisierenden Gruppen, sogar unter Polizeieinheiten, waren ebenso an der Tagesordnung wie politisch motivierte Bombenanschläge; die Kriminalitätsrate stieg auf internationales Spitzenniveau (Beiname der Philippinen zur damaligen Zeit: Der wilde Osten); in den Provinzen kam es zu heftigen Gefechten zwischen Guerilleros und Regierungseinheiten.

Auf dem Höhepunkt militanter Studentenproteste gegen die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Mißstände verhängte Präsident Marcos am 21. September 1972 das Kriegsrecht über das Land und setzte damit alle demokratischen Institutione außer Kraft. Offiziell begründete Marco seinen Schritt mit der zunehmenden Gesetzlosigkeit und der angeblichen Gefahr eines geplanten kommunistischen Aufstands.Seine Kritiker jedoch beargwöhnen seine Motive, da er sich dem Ende seine zweiten Amtsperiode näherte und, gemäß Verfassung, ein drittes Mal nicht kandidieren durfte. Das Ausland entrüstete sich, nicht wenige Filipinos jedoch begrüßten diesen Schritt ebenso wie die von Marcos proklamierte Schaffung gerechterer sozialer Verhältnisse in einer Neuen Gesellschaft (New Soclety oder Bagong Lipunan). Einen Anfangserfolg konnte Marcos in der Tat verbuchen: Nach der Auflösung von 150 Privatarmeen und der Konfiszierung von über 650 000 Waffen kehrten wieder Ruhe und Ordnung ein, sank die Kriminalität im ganzen Land um etwa 90%. In den anderen Punkten seines Reformprogramms (Beschneidung der Macht der Grundbesitzer,Realisierung der überfälligen Landreform, Bekämpfung der Korruption, Verbesserung des Gesundheitswesen u. a.) allerdings scheiterte er. Marcos schränkte zwar die Macht der alten Eliten ein, änderte aber wenig am System der Herrschaft der Famillenclans, sondern verteilte nun vielmehr die politische und wirtschaftliche Macht im Lande , auf eigene Verwandte und Günstlinge. Die Landreform, eines seiner Kernversprechen, wurde nur zum Teil realisiert, obwohl gerade in der ungerechten Landverteilung die Hauptursache für soziale Spannungen liegt. Ein Referendum im Juli 1973 bestätigte mit großer Mehrheit Marcos als Präsident und Premierminister. Jedoch wandelte sich das "lächelnde Kriegsrecht" rasch zu einem unverhohlen totalitären System und Marcos, von der offiziellen Propaganda als "Revolutionär ohne Waffen" verklärt, zu einem Autokraten, der das Land mit diktatorischen Dekreten regierte. Nach der Verhängung des Ausnahmezustands wurde das Militär als Stütze des Marcos-Regimes mit Privilegien versehen, gefordert wurde als Gegenleistung fortan nur noch Ergebenheit gegenüber dem Diktator, nicht mehr gegenüber der Verfassung. Den massiven staatlichen Terror belegen Dokumentationen internationaler Menschenrechtsorganisationen. Amnesty International schätzt, daß seit 1972 mehr als 50 000 oppositionelle Politiker, Journalisten, Gewerkschaftsführer, Studenten und angebliche Kommunisten von den Sicherheitskräften inhaftiert wurden. Zahllose Fälle von Folterungen politischer Gefangener sind ebenso erwiesen wie die Verschleppung und das "Verschwindenlassen" ("salvaging") Tausender von Oppositionellen durch die Armee. Ferner wurden von den Streitkräften oder den Militärs nahestehenden Einheiten, die den mittelamerikanischen Todesschwadronen ähneln, Hunderte von politischen Morden an mißliebigen Gegnern und Kritikern begangen.

Im Vorfeld des Besuchs von Papst Johannes Paul 11. am 17. Januar 1981 hob Präsident Marcos das Kriegsrecht formell auf, ohne dabei jedoch seine umfassenden Befugnisse zu beschränken. Am 21. August 1983 wurde Benigno ("Ninoy") Aquino, früher liberaler Senator und Führer der bürgerlichen Opposition, bei seiner Rückkehr aus dem amerikanischen Exil auf dem Flughafen von Manila erschossen. Die Kugeln seiner Mörder, deren Auftraggeber im Umkreis des damaligen präsidialen Machtapparats zu suchen sind, machten Aquino zum Volkshelden und Märtyrer. Die Empörung über seine Ermordung löste eine Protestwelle aus, wie sie die Philippinen seit Ende der 60er Jahre nicht mehr erlebt hatte; dieTrauerfeierlichkeiten für Aquino gestalteten sich zu einem einzigen Plebiszit gegen die Marcos-Diktatur. Massendemonstrationen brachten Hunderttausende auf die Straße, die den Rücktritt der Regierung forderten. Die Anti-Marcos-Front verlief durch alle Bevölkerungsschichten, verrnehrt reihten sich auch konservative Geschäftsleute, Unternehmer und Bankiers ein. Zumindest indirekt hat Aquinos Tod zum überraschenden Erfolg der Opposition bei den Parlamentswahlen vom 14. Mal 1984 beigetragen. Für Marcos war dieser politische Mord der Anfang vom Ende, für die Witwe, Corazon ("Cory") Aquino, der Beginn eines Lebens im Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Innerhalb nur weniger Monate wurde sie zum Symbol für den Widerstand gegen den Despoten.

Als die demokratische Opposition anschwoll und gleichzeitig die Gefahr einer kommunistischen Erhebung ernster wurde, versuchte Washington, den bedrängten Diktator, der stets einen US-freundlichen und stramm antikommunistischen Kurs garantiert hatte, zu demokratischen Zugeständnissen zu bewegen. Bei den vorgezogenen Präsidentenwahlen vom 7. Februar 1986, die auf Drängen der Reagan-Administration zustandekamen, sollte sich Marcos eine neue demokratische Legitimation holen. Überraschend schnell aber gelang es der Präsidentschaftskandidatin Cory Aquino mit Unterstützung der mächtigen katholischen Kirche, die legale moderate Opposition, die sich lange Zeit nicht als geschlossener Block präsentierte, sondern in zahlreiche Splittergruppen gespalten war, im Widerstand gegen Marcos zu vereinen. Der Wahlkampf des Gespanns Aquino Laurel wurde zu einem einzigartigen Triumphzug. Ferdinand Marcos und seine Regierungspartei KBL setzten dagegen auf die Überzeugungskraft des in vielen philippinischen Wahlen bewährten Instrumentariums: auf "guns, goons (= Schläger) and gold", Trotz der Präsenz von rund 500 000 Freiwilligen zumeist Nonnen, Priester und Lehrer der unabhängigen "Nationalen Bürgerbewegung für freie Wahlen" (NAMFREL) in den Wahllokalen bestimmten Wahlbetrug durch Einschüchterung, blutige Gewalt, ungenierter Stimmenkauf, gefälschte Wählerlisten und sogar dreister Wahlurnendiebstahl den Ablauf dieses für die Philippinen schicksalhaften Tages. Überall wurden ganze Wagenladungen mit "fliegenden Wählern" von Ort zu Ort gekarrt, um gleich mehrmals die Stimmen für Marcos abzugeben. Die Korruption der Mächtigen hat Tradition auf den Philippinen, doch diesmal übertraf der Wahlbetrug alle Befürchtungen. Der Diktator aber unterschätzte die um den Wahlsieg gebrachte Cory Aquino und den Freiheitswillen des philippinischen Volkes. In zahlreichen Appellen rief Frau Aquino zum zivilen Ungehorsam, zum Generalstreik und zum Boykott aller Marcos-Unternehmen auf. Nachdem auch die Bischofskonferenz unter Vorsitz des versierten Erzbischofs von Manila und philippinischen Primas, Jaime Cardinal Sin, die Wahlmanipulationen der Marcos Administration gegeißelt hatte und zudem Washington auf Distanz zu seinem einstigen Schützling ging, fand der Aufruf zum gewaltlosen Widerstand auch bei der Reformbewegung in den Streitkräften, der etwa 60% aller Offiziere angehörten, Unterstützung. Die spektakuläre Rebellion der vom ehemaligen Verteidigungsministerjuan Ponce Enrile und dem damaligen stellvertretenden Generalstabschef Generalleutnant Fidel V. Ramos angeführten Fraktion brachte schließlich den Diktator zu Fall, zwang ihn zu seinem schmählichen Abgang ohne Glanz und Würde.Während der dramatischen Tage nach der Gehorsamsverweigerung der Spitzenmilitärs gaben die Philippinen der Welt ein historisches Beispiel für eine weitgehend unblutige Revolution. Zum erstenmal in der Geschichte hat ein wehrloses Volk rebellierende Soldaten vor der Rache eines Gewaltregimes beschützt. Hundertausende singender und betender Filipinos stellten sich auf den Straßen Manilas den Panzern Marcos-treuer Truppen in den Weg, bildeten buchstäblich mit ihren Körpern einen Schutzwall um die Stellungen der revoltierenden Einheiten.

Am 25. Februar 1986 wurde Corazon Aquino zur siebten Präsidentin der Philippinen vereidigt. Der demokratische Neubeginn unter der Aquino-Regierung jedoch war von Anfang an stark belastet mit dem Erbe der diktatorischen Vergangenheit: ein kommunistischer Aufstand, der den gesamten Archipel erfaßt hatte; eine durch Korruption und hemmungslose Bereicherung ausgeblutete Wirtschaft und zerrüttete Staatsfinanzen; eine gespaltene Armee; Separatismus im moslemischen Süden des Landes; Massenarmut und Menschenrechtsverletzungen. Zusammengehalten wurde die Aquino-Koalltion allein durch ihre gemeinsame Opposition gegen die Marcos-Diktatur. In ihr fanden sich konservative Geschäftsleute, bürgerliche Oppositionelle, Vertreter des katholischen Klerus, reformwillige Militärs, aktive Menschen- und Bürgerrechtler, aber auch ehemalige Repräsentanten des Marcos-Regimes. Es war dies von vornherein eine fragile Allianz, was die völlig entgegengesetzten Interessen der beiden Pole, Militärs auf der einen und liberale Demokraten auf der anderen Seite, widerspiegelten. Trotz Corazon Aquino als Integrationsfigur waren damit Spannungen und interne Streitigkeiten, die später lange Zeit ihr Kabinett paralysierten, vorprogrammlert. Nationale Versöhnung hatte das Motto Frau Aquinos bereits während ihres Wahlkampfes gelautet. Bereits wenige Tage nach ihrem Amtsantritt amnestierte sie Hunderte von politischen Gefangenen, darunter - gegen den entschiedenen Widerstand ihrer militärischen Berater - kommunistische Spitzenkader wie den Mitbegründer der CCP Jose Maria Sison und den Gründer der NPA Bernabe Buscayno. Eine weitere Priorität sah die neue- Präsidentin in der Beendigung des damals bereits 17 Jahre andauernden Guerillakrieges. Trotz ständiger Versuche des damaligen Verteldigungsministers Enrile und reaktionärer Militärs, die Friedensverhandlungen zu torpedieren, kam es am 27. November 1986 zur Veeeinbarung eines 60 tägigen Waffenstillstands zwischen Regierungsvertretern und Unterhändlern der National Democratic Front. Einen Monat nachdem Corazon Aquino ihren Eid abgelegt hatte, setzte sie die alte Marcos-Verfassung außer Kraft, löste das immer noch von der Marcos-Partei KBL dominierte Parlament auf und proklamierte eine vorläufige >Freiheitsverfassung<. Bis zur Ratifizierung eines neuen, von einer 50 Mitglieder zählenden verfassungsgebenden Versammlung ausgearbeiteten Grundgesetzes, hatte Frau Aquino als Präsidentin Blankovollmacht, Gesetze zu verabschieden oder zu modifizieren sowie u. a. die Verwaltung neu zu organisieren. Zu einer ersten innenpolltischen Krise führte die komplette Umstrukturierung der Administration. 70 Provinzgouverneure, 1600 Bürgermeister und über 10 000 Stadträte, allesamt einstige Marcos-Leute, wurden entlassen und (oft willkürlich) vorwiegend durch PDP/Laban- sowie UNIDO-Anhänger ersetzt, die außer ihrer Loyalität gegenüber der Aquino-Regierung keinerlei Eignungskriterien vorzuweisen hatten. Geschichten über Ämterkauf und Vetternwirtschaft (dieses Mal unter anderen Vorzeichen) begannen schon bald die Runde zu machen.Behinderte zunächst lediglich verbales Störfeuer (vor allem von Verteidigungsminister Enrile) den Demokratisierungsprozeß, so drohte das Experiment >Demokratie auf den Philippinen< in den ersten anderthalb Jahren der Präsidentschaft Cory Aquinos mehrere Male im Kugelhagel rebellierender Militäreinheiten zu scheitern. Den Auftakt einer Serie von Umsturzversuchen Marcos-loyaler Kräfte bildete der sogenannte >Tolentino-Putsch,. Am 6. Juli 1986 verschanzte sich der frühere Außenminister Arturo Tolentino mit einigen hundert Soldaten im Manila Hotel der Hauptstadt, erklärte sich selbst zum amtierenden Staatsoberhaupt und das Aquino-Kabinett als abgesetzt. Der dilettantische Versuch, die Regierung von Frau Aquino aus den Angeln zu heben, scheiterte bereits nach 36 Stunden. In der Folgezeit häuften sich die Putschgerüchte in Manila. Am 23. November 1986 entließ Präsidentin Aquino Verteldigungsminister Enrile, da fast alle Putschpläne und Umsturzversuche mit ihm in Zusammenhang gebracht wurden. Doch weitere Rebellionen der Militäreinheiten, die zum Teil vom exilierten Diktator von Hawaii aus inszeniert worden sein sollen, folgten. Insgesamt hat Corazon Aquino sieben Putschversuche überstanden, den schwersten und blutigsten davon Anfang Dezember 1989 (100 Tote, 300 Verletzte), als es ihr nur mit massiver amerikanischer Hilfe gelang, einen Aufstand größerer Armee Einheiten niederzuschlagen. Nicht nur in direkten Rebellionen gegen die Aquino Regierung versuchten reaktionäre Militärkreise, den Prozeß der Demokratisierung und der nationalen Versöhnung auf den Philippinen zu unterlaufen. Am 22. Januar 1987 schossen Marineinfanteristen an der Mendiola-Brücke in der Nähe des Präsidentenpalastes auf friedlich demonstrierende Bauern, töteten dabei 18 Menschen und verletzten über hundert. Seit Beginn der 70er Jahre hatte Manila eine solche Brutalität, ein derartiges Massaker nicht mehr erlebt. Nicht nur Linke und Liberale fragten sich entsetzt: Kehren die Marcos Jahre wieder? Folge des Blutbads: Die Verhandlungsführer der NDF brachen die Waffenstillstandsgespräche mit der Regierung ab und gingen wieder in den Untergrund. Danach tobte der Krieg zwischen Regierungstruppen und der Guerilla jahrelang blutiger als je zuvor.Trotz allem ging der formale Demokratisierungsprozeß weiter. Am 2. Februar 1987 votierte die philippinische Bevölkerung in einem Referendurn, das gleichzeitig als Popularitätstest für Corazon Aquino gelten konnte, mit deutlicher Mehrheit (fast 80%) für die neue Verfassung. Allerdings stimmten in den Kasernen höchstens 50% der 250000 Soldaten für das neue Verfassungswerk. Der Ausgang des Volksentscheids hat die politische Mitte gestärkt; Verlierer waren die rechtsextremen und die linken Oppositionskräfte, die aus unterschiedlichen Motiven versucht hatten, die Massen für ein >Nein< gegen das Grundgesetz zu mobilisieren. Nächste Etappe auf dem Weg zur Etablierung demokratischer Verhältnisse waren die Kongreßwahlen vom 11. Mai 1987, bei denen über 25 Millionen Wahlberechtigte ihre Volksvertreter für das Repräsentantenhaus (200 gewählte und 50 von der Präsidentin ernannte Mitglieder) sowie für den Senat (24 Mitglieder) wählten. Obwohl es auch in der Nach-Marcos Ära nicht ohne Stimmenkauf und Wahlbetrug - sowohl gegen die rechte als auch die linke Opposition - abging, waren dies nach fast zwei Jahrzehnten die ersten halbwegs freien Parlamentswahlen auf den Philippinen. Mit erdrückender Mehrheit zogen die Kandidaten der damaligen Regierungskoalition Lakas ng Demokratikong Pilipina (LDP) in beide Häuser des Zweikammerparlaments ein. Mit den Kommunalwahlen vom 18. Januar 1988, bei denen die neuen Provinzgouverneure sowie Bürgermeister und Stadträte gewählt wurden und bei denen der Koalltionsblock Corazon Aquinos wiederum als Sieger hervorging, konnte die formelle Rückkehr zur Demokratie schließlich abgeschlossen werden. Aus den Präsidentschaftswahlen vom 11. Mal 1992, bei denen Frau Aquino laut Verfassung nicht mehr kandidieren durfte, ging der ehemalige Generalstabschef und Verteldigungsminister Fidel Ramos als Sieger hervor.

Nach Ferdinand Marcos' Vertreibung von den Philippinen brach in der Inselrepublik unbeschreiblicher Jubel aus. Der Sturz der jahrzehntealten Diktatur schien eine neue Ära der Demokratie, der Abschaffung staatlicher Willkür, der Beseitigung von Hunger, Armut und Ausbeutung einzuläuten, Nach ihrem Amtsantritt hatte Corazon Aquino dem Volk nicht nur den wirtschaftlichen Aufschwurig und bessere Lebensverhältnisse, sondern auch ein demokratischeres System, Freiheit und Gerechtigkeit verheißen, während ihrer Amtsperiode jedoch kaum eines der Versprechen eingehalten. Uni die Herrschaft der Marcos Clique zu brechen, hatte die Aquino Koalition die Unterprivilegierten mobilisiert. Die Macht, die danach installiert wurde, aber war wieder eine der reichen Führungselite. Die Regierung Aquino entschuldigte die desolate Lage gern mit einer Reihe von Naturkatastrophen, die das Land in den letzten Jahren heimgesucht hatten. Erdbeben und Talfune sowie vor allem der verheerende Ausbruch des Vulkans Mt. Pinatubo, hätten nach Angaben des Präsidentenpalastes den Staatshaushalt extrem belastet. Aber während im Katatrophengebiet um den Pinatubo die Menschen in schäbigen Evakulerungslagern vor sich hin vegetierten, verschwanden Millionen Dollar internationaler Hilfsgelder in den Kanälen einer geradezu abenteuerlichen Korruption und Inefflzienz. Diesen Sumpf trockenzulegen und die Philippinen in eine prosperlerende Zukunft zu führen, hat Präsident Fidel Ramos angekündigt. Zum Abschluß der "Mutter aller Arbeitstagungen", zu der er Anfang 1993 rund 150 Wirtschaftsexperten in Manila versammelt hatte, legte Ramos ein 31-Punkte-Programm vor, mit dem er die stagnierende philippinische Wirtschaft wieder in Schwung bringen und die Inselrepublik bis zum Jahr 2000 in ein sogenanntes "Newly Industrialised Country" verwandeln will. Ob Ramos diese hochgesteckten Ziele angesichts der gegenwärtigen desolaten Ausgangslage aber wird erreichen können, erscheint mehr als fraglich.


Zeittafel


ab ca. 250 000 Erste Besiedlungsspuren auf den Philippinen

ab ca. 30 500 Erstes Auftreten des Homo Sapiens (Tabon-Mensch)

ab ca. 25 000 Besiedlung der Philippinen durch negroide Urvölker

gegen 3000 und 1000 Zwei Einwanderungswellen proto- oder altmalaiischer Völker; Entstehung einer jungsteinzeitlichen Kultur

ab ca. 200 Einwanderung deutero- oder jungmalaiischer Völker;Beginn der philippinischen Bronze-Eisenzeit

Frühe Kontakte zu Nachbarstaaten

ab ca. 600 Handelskontakte mit China

ab ca. 800 Einfluß des kolonialindischen Sri-Vijaya-Großreiches

ab ca. 1000 Inlensivierte Handelsbeziehungen zu China und später auch zu Japan

13. Jh. Einwanderung malaiischer Datu von Borneo; Gründung erster chinesischer Niederlassungen

14./15. Jh. Einfluß des hinduistischen Majapahit-Imperiums; zeitweise Tributpflicht philippinischer Stammesfürsten gegen über der chinesischen Ming-Dynastie

Die Islamisierung der südphilippinischen Inseln

ab 1380 Vordringen des Islam von Borneo über den Sulu-Archipel

1450 Gründung des moslemischen Sultanats von Jolo

1475 Errichtung des moslemischen Sultanats von Maguinda nao (Mindanao) und Ausbreitung des Islam bis Zentral luzon

Die spanische Kolonialepoche

16. März 1521 Ferdinand Magellan erreicht die Insel Homonhon und nimmt die philippinischen Inseln für Spanien in Besitz

7. April 1521 Konvertierung 800 Eingeborener zum Christentum

27. April 1521 Tod Magellans auf der Insel Mactan

1542 Lopez de Villalobos benennt im Verlauf der vierten spanischen Philippinenexpedition den Archipel nach dem Kronprinzen und späteren König Philipp den 2..

März 1565 Miguel Lopez de Legazpi beginnt mit der Eroberung der Philippinen; Beginn der spanischen Kolonialherrschaft

27 April 1565 Eroberung der Insel Cebu; wenig später Gründung der Stadt Cebu

1565-70 Beginn des Galeonenhandels zwischen den Philippinen und Mexiko

1571 Eroberung des moslemischen Fürstentums Maynilad

24.Juni 1571 Legazpi gründet Manila und ernennt die Stadt zur Hauptstadt der Philippinen

1574/75 Angriffe des chinesischen Piraten Limahong auf Manila

ab 1578 Beginn der spanischen Feldzüge gegen die >Moros< (Moslems)

Ende 16. Jh. Beginn der christlichen Missionierung

bis 1600 Unterwerfung der philippinischen Inseln bis auf den moslemischen Süden

15. März 1646 Seesieg der Spanier über die Holländer in der Bucht von Manila

1762-63 Britische Besetzung Manilas

1815 Ende des Manila-Acapulco-Handels; danach Öffnung

Manilas für den internationalen Handel

1821 Mexikanische Revolution mit folgender Unabhängigkeit

die Philippinen, bis dahin Kronkolonie von Mexiko, werden Madrid direkt unterstellt

20. Januar 1872 Cavite-Aufstand; Beginn des nationalen Unabhängigkeitskampfes

1872 Gründung der Propagandabewegung

1892 Jose Rizal gründet die antiklerikale Liga Filipina, Andres

Bonifacio den revolutionären Geheimbund Katipunan:

Verbannung Rizals nach Mindanao

19. August 1896 Bonifacios Cry of Balintawak setzt das Zeichen für den

Beginn der Philippinischen Revolution

30. Dezember 1896 Hinrichtung Jose Rizals

1897 General Emilio Aguinaldo übernimmt die Führung der Freiheitsbewegung

20. April 1898 Beginn des Spanisch-Amerikanischen Kriegs

12.Juni1898 General Aguinaldo ruft die Unabhängigkeit der Philippinen aus

10. Dezember 1898 Im Friedensvertrag von Paris tritt Spanien die Philippinen

an die USA ab

Die amerikanische Kolonialepoche

23. Januar 1899 Der Malolos-Kongreß verkündet eine parlamentarische Verfassung und ernennt Emilio Aguinaldo zum Präsidenten der Ersten Republik der Philippinen 1899-1901 Philippinischer Unabhängigkeitskampf gegen die USA 1916 das Jones-Gesetz verspricht den Philippinen nach einer Übergangszeit unter kolonialer Verwaltung die Unabhängigkeit 15. November 1935 Ausrufung des mittels des Tydings-McDuffie-Gesetzes geschaffenen Commonwealth of the Philippines;

Manuel L. Quezon wird erster Präsident

Der Zweite Weltkrieg und die japanische Besetzung

8. Dezember 1941 Beginn der japanischen Okkupation

April 1942 Fall von Bataan

Oktober 1944 US-General MacArthur landet auf Leyte; Beginn der Rückeroberung

Die unabhängigen Philippinen

4. Juli 1946 US-Präsident Truman erklärt die Philippinen für unabhän-

gig; Manuel A. Roxas wird erster Präsident

1946/47 Abschluß verschiedener Verträge, die die Philippinen poli-

tisch und wirtschaftlich eng an die USA binden

1948-53 Präsidentschaft von Elpidio Quirino

1950-54 Rebellion der Hukbalahap

1953-57 Präsidentschaft von Ramon Magsaysay

1957-61 Präsidentschaft von Carlos Garcia

1961-65 Präsidentschaft von Diosdado Macapagal

30. Dezember 1965 Ferdinand E. Marcos wird Präsident

11. November 1969 Wiederwahl von Präsident Marcos

1970 Beginn des bewaffneten Kampfes der moslemischen

Separatistenbewegung MNLF

21. September 1972 Ausrufung des Kriegsrechts; Beginn der >Neuen Gesellschaft<

ab 1973 Diktatorische Vollmachten für Präsident Marcos

17. Januar 1981 Formelle Aufhebung des Kriegsrechts

17.-22. Februar 1981 Besuch von Papst Johannes Paul 11.

16. Juni 1981 Erneute (umstrittene) Wiederwahl von Präsident Marcos

21. August 1983 Ermordung des Oppositionsführers Benigno Aquino

7. Februar 1986 Vorgezogene Präsidentenwahlen, die Ferdinand Marcos nur mittels massiven Wahlbetrugs gewinnen kann

17.-25. Februar 1986 Nach einer weitgehend gewaltlosen Volkserhebung und einer Rebellion von Spitzenmilitärs gegen das Marcos- Regime verläßt der Diktator das Land

25. Februar 1986 Corazon (Cory) Aquino wird zur siebten Präsidentin der Philippinen vereidigt

22. Januar 1987 Massaker an der Mendiola-Brücke in Manila

9.-11. Juli 1989 Staatsbesuch von Corazon Aquino in der BRD

28. September 1989 Ferdinand Marcos stirbt im Exil auf Hawaii

16. Juli 1990 Erdbeben in Baguio mit etwa 1600 Todesopfern

12. Juni 1991 Ausbruch des Vulkans Mt. Pinatubo mit etwa 800 Todesopfern

28. November 1991 Schwerer Taifun auf den Inseln Leyte, Negros und Samar

mit mehr als 7000 Todesopfern

11. Mai 1992 Fidel Ramos gewinnt die Präsidentschaftswahlen und wird

zum achten Präsidenten der Philippinen vereidigt

24. November 1992 Schließung der Subic Naval Base bei Olongapo und Ende

der amerikanischen Militärpräsenz auf den Philippinen

 

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