Geschichte 2

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Legazpi - der Eroberer
Die 333jährige spanische Kolonialherrschaft über die Philippinen begann aber erst 1565. Philipp der 2., Sohn Karls V. und seit 1556 König von Spanien, hatte ein großes Interesse an einem Handelsstützpunkt im Westpazifik zwischen China, Macao und den Molukken, und so ordnete er 1559 an, die philippinischen Inseln dem spanischen Kolonialimperium anzugliedern. Im November 1564 verließ eine spanische Flotte unter Führung von Miguel Lopez de Legazpi und Andres de Urdaneta, einem Augustinermönch, Mexiko (oder Neuspanien, wie es damals genannt wurde) und erreichte im März 1565 die Küste Bohols. 44 Jahre nach dem Entdecker Magellan kreuzte mit Legazpi ein Eroberer in der philippinischen Inselwelt auf. Geschickt schloß der spanische Konquistador Blutsbrüderschaft mit Stammeshäuptlingen (z. B. am 16. März 1565 mit Rajah Sikatuna von Bohol); wo Diplomatie nicht half, setzte er die Überlegenheit der spanischen Waffentechnik ein. Am 27. April 1565 nahm er, nach erbitterter Gegenwehr der Einheimischen, die Insel Cebu in Besitz und gründete wenig später die Stadt Cebu, die älteste Stadt der Philippinen, die unter dem Namen "Ciudad del Santissimo Nombre de jestis" bis 1571 als Hauptstadt von Spaniens fernöstlicher Kolonie diente. Von ihrer befestigten Wehrsiedlung auf Cebu aus erweiterten die Spanier rasch ihren Machtbereich: Der Unterwerfung der Inseln Panay, Masbate und Mindoro folgte 1571 die Eroberung von Maynilad, einem kleinen Fürstentum unter dem Moslemführer Rajah Sulayman an der Mündung des Pasig-Flusses auf der Insel Luzon. An der Stelle des moslemischen Palisadenforts gründete Legazpi im Juni 1571 eine von Mauern geschützte Stadt mittelalterlich-spanischen Stils, die über drei Jahrhunderte lang das Kernstück der spanischen Kolonie in Südostasien bleiben sollte: Manila. Beim Tod Miguel Lopez de Legazpis, des ersten Gouverneurs der Philippinen (Beiname "EI Adelantado"; etwa "Der Voranschreitende"), im August 1572 war die Eroberung des Archipels im wesentlichen bereits abgeschlossen. Mit Ausnahme der moslemischen Sultanate Mindanaos und Sulus kontrollierten die Spanier Ende des 16. Jahrhunderts bereits die gesamte philippinische Inselwelt.

Die Kolonisation
Zur Zeit der Eroberung durch die Spanier waren die philippinischen Inseln nur dünnbesiedelt; die Gesamtbevölkerung betrug vermutlich nur knapp eine Million. Die meisten Menschen lebten in verstreuten, voneinander isolierten Sippen- und Dorfgemeinschaften, die nach den Booten der malalischen Einwanderer Barangay, (heute noch die unterste politische Verwaltungseinheit) genannt wurden. Diese am indisch-malalischen Vorbild orientierte soziale Organisationsform umfaßte in der Regel 30-100 Familien. Der dörflichen Siedlung stand der Datu ("Häuptling") vor (in größeren Dörfern Rajah oder Lakan genannt = Fürst), der gleichzeitig die Spitze einer aus drei Klassen zusammengesetzten gesellschaftlichen Pyramide bildete: den Adeligen (Maharlika), den Freien (Timawa) und den Sklaven (Alipin). Zwar hatten sich verschiedentlich Barangay nach der Heirat von Häuptlings oder Fürstenkindern sowie zur Verteidigung gegen externe Feinde zu Konföderationen zusammengeschlossen, doch existierte noch kein übergreifendes, alle Inseln umfassendes politisches Gemeinwesen. Dieses Fehlen einer staatlichen Einheit und einer Zentralgewalt erleichterte den ab Ende des 14. Jahrhunderts von Borneo über den Sulu-Archipel her vordringenden Moslems ebenso wie den Spaniern die Kolonisationsarbeit ganz entscheidend. Erst während ihrer Herrschaftszeit formten die Spanier die philippinischen Inseln zu einem Staatsgebilde. Die Ziele der iberischen Kolonisatoren lagen auf der Hand: Sie wollten wirtschaftlichen Nutzen aus ihrem fernöstlichen Besitz ziehen, sich einen Stützpunkt für ihre Weltmachtpolitik schaffen und die Seelen der heidnischen Indios, wie sie die Eingeborenen nannten, retten. Eine Schlüsselrolle bei der Eroberung und der kolonisatorischen Erschließung der Philippinen spielte der spanische Klerus. Neben Soldaten und Beamten kam eine Vielzahl von Mönchen verschiedener rellgiöser Orden (zunächst die Augustiner; später Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten) von der iberischen Halbinsel. Mit dem Kreuz in der einen Hand, dem Schwert in der anderen und Gott als mächtigern Verbündeten gelang den Spaniern schon in kurzer Zeit die Bekehrung eines Großteils der Inselbewohner zum Katholizismus. Die rasche Christianisierung der Philippinen unterstützte dabei in hohem Maße die Ausbreitung bzw. Festigung der politischen Herrschaft der spanischen Krone - Spaniens Priester und Mönche waren die eigentlichen Eroberer des Landes. Die mächtigen Mönchsorden waren nicht auf den sakralen Bereich beschränkt; es bestand Einheit von Kirche und Staat, und die Fratres vereinigten bald einen großen Teil der weltlichen Macht in ihren Händen. Dem Klerus oblagen Bildung und Erziehung (Schulen und Universitäten wurden bereits ab Ende des 16. Jahrhunderts gegründet), Angehörige geistlicher Orden hatten aber auch führende Positionen in der Administration inne und konnten so direkt Einfluß nehmen auf das politische Geschehen. Die Spanier begannen bald, ihr bewährtes koloniales Siedlungsmuster durchzusetzen, d. h. das ehemalige Stammesland in sogenannte Encomiendas (Verwaltungsbezirke) einzuteilen und diese verdienten Persönlichkeiten zu übereignen. Ebenso wie die spanische Aristokratie und teilweise die traditionelle einheimische Nobilität (Lokalfürsten u. a.) gelangte auch die katholische Kirche durch das Encomienda-System in den Besitz riesiger Latifundien, was die Orden vermögend und auch mächtig machte. Die Encomenderos knechteten ihre Untertanen durch hohe Tribute (Bandala), von denen sie wiederum einen Teil an die Krone abführen mußten, und vor allem durch ein Zwangsarbeitssystem (Polo), das alle männlichen Filipinos zwischen 16 und 60 Jahren dazu verpflichtete, 40 Tage im Jahr unentgeltlich bestimmte Arbeiten (Bau von Kirchen, Festungen, Straßen u. a.) zu verrichten.
Über 250 Jahre lang waren die Philippinen Kronkolonie unter Spaniens Vizekönig in Mexiko. Erst nach der mexikanischen Revolution (1821) wurden die Inseln Madrid direkt unterstellt kamen Sitz und Stimme in der Cortes, der legislativen Gewalt im Mutterland. Die Spanier schufen die Grundlagen für eine nationale Einheit, indem sie das Inselreich unter einer stark zentralisierten Verwaltung zusammenfaßten. Regiert wurden die Inseln von einem Generalgouverneur, der als Repräsentant der spanischen Krone über beinahe unbegrenzte Vollmachten verfügte. Verwaltungsmäßig waren die Philippinen in kolonisierte Provinzen (Alcaldias) und unbefriedete Regionen (Corregimiendos), denen Zivilgouverneure bzw. Militärbefehlshaber vorstanden, untergliedert. Die Provinzen teilten sich in größere Orte (Pueblos) und diese wieder in Dörfer (Barangay), zu deren Verwaltung die Spanier vorwiegend Einheimische als Gobernadorcillos bzw. Cabezas de Barangay einsetzten.

Angriffe auf Spaniens Kolonie
Während es den Spaniern schon bald gelang, alle Spuren des Islam auf Luzon und den zentralphilippinischen Inseln rigoros zu tilgen, konnten sie bis zum Ende ihrer Kolonialzeit auf Mindanao und dem Sulu-Archipel nur punktuell Fuß fassen. Die mächtigen Moslemsultanate der südphilippinischen Inseln waren fast gleichzeitig mit dem Fall der letzten islamischen Bastion in Spanien (Granada, 1492) entstanden. Ihr zirkumglobaler Vorstoß ließ die Spanier nun auf der anderen Seite der Erdkugel mit der östlichen Wachstumsspitze des Islam zusammentreffen; wieder sahen sie sich mit ihren Erzfeinden konfrontiert, mit den Moros, wie sie die Moslems verächtlich nannten, auch wenn es sich auf den Philippinen nicht um nordafrikanisch-andalusische Mauren handelte, sondern um Mohammedaner malaiischer Abkunft. 1578 begannen die Spanier, noch gänzlich beherrscht vom Geist der Reconquista, mit ihren Feldzügen gegen die Moros, die ihrerseits zurückschlugen und bis zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts als gefürchtete Piraten mit ihren schnellen Lantakas die Gewässer der Visayas und Südluzons verunsicherten. Erst 1876 wurde die Insel Jolo, die Hochburg des philippinischen Islam und Sitz des wichtigsten Sultanats, endgültig der spanischen Autorität unterstellt. Der fernöstliche Ableger von Spaniens Kolonialimperium war von Anfang an nicht nur von kriegerischen Moslems bedroht. Legazpis Brückenkopf auf Cebu wurde bereits in den Jahren 1568-70 mehrfach von den Portugiesen (dem Vertrag von Saragossa zufolge die rechtmäßigen Besitzer der Philippinen) attackiert. Die portugiesischen Angriffe endeten erst, als König Philipp. von Spanien 1580 Portugal mit Waffengewalt annektierte und damit die beiden Nationen der iberischen Halbinsel zu einer politischen Union zusammenschloß. Manila war 1574/75 einer ernsten Bedrohung durch den chinesischen Piraten Limahong ausgesetzt. Versuche Japans, die Philippinen ihrem Kaiserreich anzugliedern, schlugen Ende des 16. Jahrhunderts fehl. Die protestantischen Holländer, die im Dreißigjährigen Krieg (1618-48) gegen die spanische Krone um ihre politische Unabhängigkeit und religiöse Freiheit kämpften, trachteten danach (nachdem sie die Portugiesen aus deren indonesischen Kolonien vertrieben hatten), die Philippinen in den Griff zu bekommen. Zwischen 1600 und 1646 attackierten holländische Schiffe von Batavia (heute Jakarta) aus mehrmals das spanische Manila. In der entscheidenden Seeschlacht um Manila (La Naval de Manila) errangen die Spanier im März 1646 endgültig den Sieg, und 1648 wurden die Philippinen im Westfälischen Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendete, Spanien zugesprochen. Während des Siebenjährigen Kriegs (1756-63) befand sich Spanien als Verbündeter Frankreichs im Konflikt mit Großbritannien. 1762 eroberten die Briten vorübergehend Manila (Sack of Manila); ein Jahr später beendete der Frieden von Paris (10. Februar 1763) den mit dem Siebenjährigen Krieg verbunden denen überseeischen Kolonialkrieg und bestätigte die Herrschaft Spaniens über die Philippinen. Zu den Angriffen von außen kam vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Ende der spanischen Kolonialepoche eine interne Bedrohung in Form häufiger Aufstände unzufriedener chinesischer und japanischer Siedler sowie einheimischer Filipinos, die jedoch von den Spaniern jedes Mal mit eiserner Hand niedergeschlagen wurden.

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